Fair Rubber e.V.

2012 gegründet, hat sich der Fair Rubber e.V. zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Primärerzeuger_innen von Naturkautschuk zu leisten. Der Weg zum Ziel: den Handel mit Naturkautschuk nach den Prinzipien des Fairen Handels zu gestalten.

Seit 2018 hat der Fair Rubber e.V. einen eigenen Kriterienkatalog für Fair gehandelten natürlichen Kautschuk entwickelt, der von unabhängigen Auditoren geprüft wird. Anders als bei anderen Zertifizierungen bezahlt der Fair Rubber e.V. diese Audits.

Die Fair Rubber-Kriterien sind eng angelehnt an relevante Kriterien von Fairtrade Labelling Organizations (FLO) International. Kautschukplantagen sind strukturell den Teeplantagen sehr ähnlich: In Indien und Sri Lanka z. B. werden Kautschuk- und Teeplantagen oft von den gleichen Betreiberfirmen betrieben und die Belegschaft gehört den gleichen Gewerkschaften an.

In Sachen Umwelt enthalten die Fair Rubber-Kriterien die relevanten Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) – die Mehrzahl der Lieferantenpartner ist ebenfalls FSC-zertifiziert (und auch hier finanziert der Fair Rubber e.V. zum Teil die Auditkosten).

Für Lieferantenpartner, die FLO-, FSC-, oder Bio-zertifiziert sind, muss nur ein kleiner Bereich der Fair Rubber-Kriterien separat überprüft werden: Wir wollen benachteiligten Produzenten helfen – und sie nicht mit nie endenden Audit-Anforderungen überlasten.

Die Mitglieder und Lizenznehmer des Fair Rubber e.V. bezahlen 0,50 € pro Kilogramm Dry Rubber Content (DRC) an den Fair Rubber e.V., der diese Fair-Trade-Prämie vollständig auf ein Sonderkonto beim jeweiligen Lieferantenpartner weiterleitet. Damit ist die rechnerische Kontrolle sehr einfach – und es kommt zu keinen verzerrten Preissteigerungen entlang der Lieferkette.

Für die Verwendung der Fair-Trade-Prämien sind folgende Kriterien wesentlich:

  • Die Fair-Trade-Prämie soll zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Primärerzeuger von Kautschuk verwendet werden – aber zentral ist: diese Primärerzeuger entscheiden selbst über die Verwendung.
  • Jede Plantage muss ein gemeinsames Gremium aus gewählten Belegschaftsvertretern und Delegierten des Managements einsetzen. Ausschließlich dieses Gremium entscheidet, wofür die Fair-Trade-Prämien verwendet werden. Bei Kleinbauernvereinigungen entscheidet der Vorstand über die Verwendung, denn hier gibt es kein separates Management.

Derzeit arbeitet der Verein mit vier Lieferanten zusammen: Frocester Estate und Lalan Rubbers Ltd. (Sri Lanka), New Ambadi (Südindien) sowie die Green-Net-Kooperative (Thailand). Um Kautschuk von diesen Plantagen kaufen zu können, muss man – wie die FairTradeCenter GmbH – Mitglied des Fair Rubber e.V. sein.

Seit 2012 wurden mehr als 600 t DRC (Dry Rubber Content, Gummi-Trockenmasse) fair gehandelt und damit über 300.000 € Fair Trade-Prämie für die Produzent_innen erwirtschaftet. Doch im Vergleich zu den insgesamt 12.000.000 t Naturkautschuk, die allein im Jahr 2015 produziert wurden – Tendenz steigend – ist der Marktanteil von fair gehandeltem Naturkautschuk minimal. Dabei sind die Mehrkosten durch die Fair Trade-Prämie gar nicht so gravierend, wie man vielleicht denkt, denn der Anteil der Rohstoffpreise am Verkaufspreis ist eher gering: Ein Luftballon beispielsweise wiegt 2 g, was Fair Trade-Mehrkosten von 0,001% von 0,50 € bedeutet. Oder ein Autoreifen. Nehmen wir an, ein Reifen wiegt 10 kg, wovon ca. 30% Naturkautschuk sind*. Dann beliefe sich die Fair Trade-Prämie auf 1,50 €, was bei einem Verkaufspreis von 50 € eine Preissteigerung von 3% sind. Und die bestehenden Handelsbeziehungen, die über den Fair Rubber e.V. laufen, zeigen, dass auch höhere Summen bei entsprechendem Auftragsvolumen wirtschaftlich gemeistert werden kann.
* Der Anteil von Naturkautschuk variiert je nach Art des Reifens.

mehr Infos: www.fairrubber.org